Dienstag, 15. Juli 2014

Glenlyon Manor - Das Geheimnis der Princess Helena School von Gabriele Diechler

Inhalt

Der sagenumwobene Landsitz Glenlyon Manor, seinerzeit auch "Romantic House" genannt, war einst die Lieblingsbleibe der Königin Maria Stuart gewesen und dabei nicht selten der Ort ihrer romantischen Eskapaden. Heute beherbergt das düstere Gebäude die renommierte Princess Helena School für überdurchschnittlich intelligente Schüler. Nie hätte sich die sechzehnjährige Münchnerin Aoki träumen lassen, dass es sie einst dorthin verschlagen würde. Und noch viel weniger, dass sie gerade dort ihr Herz verlieren würde – nur dummerweise genau an den Jungen, der den Fluch des Hauses in sich trägt, was das Verlieben noch mal deutlich komplizierter macht, als es ohnehin schon ist.

Ich sollte wohl damit anfangen, zu sagen, dass ich Geschichten, die auf einem Internat spielen, eigentlich nicht mag. Spontan fällt mir kaum eine solche ein, die mir wirklich gefallen hat. (Nach längerem Nachdenken fällt mir dann zwar doch die eine oder andere ein, aber das tut hier nichts zur Sache.) Deshalb war ich anfangs skeptisch, ob „Glenlyon Manor“ mir gefallen würde. Doch schon ziemlich schnell war ich überzeugt, dass nicht alle Internatsromane, die ich lese, so schlecht sind wie bisher angenommen. Glenlyon Manor strahlte einen besonderen Charme aus, sodass der Leser das Gefühl hat, selbst dort aus dem Schloss zu sein. Außerdem war das Thema Internat nicht allzu groß, sondern eher nebensächlich, was bestimmt auch nicht geschadet hat.
Wie gesagt, spielt die Geschichte auf einem Internat, nämlich der Princess Helena School. Da es eine Schule für hochbegabte Jugendliche ist, kommen sie Schüler dementsprechend auch aus der ganzen Welt, um diese Schule zu besuchen. Und diese Schüler hätten kaum unterschiedlicher sein können. Während Aoki auf den ersten Blick ziemlich normal wirkte, hatte ihr Mitschüler Sem zum Beispiel ein fotographisches Gedächtnis. Wieder andere, darunter auch die Protagonistin Aoki, zeigten ein besonderes Talent in unterschiedlichen Schulfächern, die zum Teil aber auch ziemlich exotisch sind. Denn die Fächer „Russisch für Fortgeschrittene“ oder „Strukturgesteuerte Intelligenz“ werden normalerweise nicht an gewöhnlichen Schulen unterrichtet. Diese Vielfalt an verschiedenen Individuen hat mir sehr gefallen. Nicht nur, wie diese besonderen Jugendlichen jeder für sich sind, fand ich sehr spannend, sondern auch, wie sie miteinander umgehen. Den Zusammenhalt, den sie haben, finde ich einfach nur bewundernswert.
Die Protagonistin Aoki ist eine sympathische Figur. Schon allein hinter ihrem Namen steckt eine Geschichte und genau das finde ich so toll. Zwar ist diese Geschichte nicht besonders groß oder bedeutend, aber es ist eine, die erklärt, wie Aoki zu ihrem Namen gekommen ist. Ganz so besonders wie ihr Name ist ihr Charakter zwar nicht, trotzdem fällt sie durch ihre freundliche Art und ihr versöhnliches Wesen auf. Aoki ist jemand, der anderen Leute gerne hilft, aber auch an sich und seine eigenen Angelegenheiten denkt. Sie ist vernünftig und denkt nochmal nach, bevor sie etwas gefährliches oder illegales tut.
„Glenlyon Manor“ behandelt ein ziemlich spannendes Thema: Geister. Die Geister sind auf eine unglaublich natürliche Weise mit der Geschichte verflochten. Es sind nicht die typischen Bettlakengespenster, an die man denkt, sobald man das Wort „Geist“ hört. Sie haben eine eigene Persönlichkeit, einen Grund, wieso sie als Geister fortbestehen. Diese Idee ist zugegebenermaßen zwar auch nicht neu, aber anders als in vielen anderen Büchern, ist der Geisteraspekt nicht gleichzusetzen mit Grusel und Angst. Zwar mit einer mysteriösen Atmosphäre, aber ohne wirklich gruselig zu sein, sind die Geister ein fester Bestandteil der Geschichte.
Das Einzige, was mich an diesem Buch wirklich gestört hat, war eine Szene gegen Ende des Romans, auf die ich nicht näher eingehen werde. Jedenfalls hat mich diese Szene so aus der Bahn geworfen, dass ich danach nicht nochmal so ins Geschehen eintauchen konnte wie zuvor. Dadurch kam ich der Geschichte am Ende leider nicht mehr so nahe. Das Ende an sich hat mir zwar gefallen, es konnte mich aber nicht mehr so sehr mitreißen, da ich gedanklich noch immer mit dieser Szene beschäftigt war. Unter Anderem hängt das damit zusammen, das ich dadurch eine ganze Weile keine Ahnung mehr hatte, wer nun eigentlich das Liebespaar ist. Somit konnte ich das Ende nicht richtig nachvollziehen. Das lag aber wahrscheinlich bloß an mit, denn anderen Lesern erging es nicht so.


Zur Autorin:

Gabriele Diechler, 1961 in Köln geboren, lebt und arbeitet im Salzkammergut. Neben Drehbüchern für ARD und ORF schreibt sie nun hauptsächlich Jugendbücher, Krimis und Romane. Jedes Buch entsteht an ihrem Minischreibtisch, wo nicht nur getippt, sondern auch lange telefoniert, Tee getrunken und Schokolade gegessen wird.



Fazit

„Glenlyon Manor“ vereint Aspekte, die ich normalerweise eigentlich nicht mag, wie zum Beispiel das Internat oder die Geister, in einer ganz tollen Geschichte. Zwar ist das Buch nicht perfekt, aber es hat mich gut unterhalten und mir schöne Lesestunden beschert. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, sich seine eigene Meinung zu diesem Buch zu bilden.

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