Donnerstag, 22. Oktober 2020

Avros: Das Amulett und der Frieden von Derek K. Adler

 



Ich wollte doch nur Frieden.

Die Schlacht steht kurz bevor, als sich der junge Hendrid zwischen seinen Kameraden in Formation aufstellt.
Niemand hat ihn gefragt. Niemand ihm die Wahl gelassen. Der Einzugsbefehl hat ihn und seinen Bruder Belan zu Soldaten in einem Krieg gemacht, den er nicht will. Sein einziger Wunsch ist es diese Schlacht, diesen Krieg zu überleben und mit seinem Bruder heimzukehren.



Ich habe Avros: Das Amulett und der Frieden auf eine Empfehlung hin gelesen. Es hat meinen Geschmack zwar getroffen – ich mochte die Kurzgeschichte, oder zumindest das, was sie sein könnte – hätte mir aber mehr von ihr gewünscht.


Atmosphäre & Welt

Der Autor fängt die Kriegsstimmung super ein, ich fühlte mich neben Protagonist Hendried auf das Schlachtfeld versetzt. Es passt zu der Geschichte, die er hier erzählen will und ich musste mehrfach an Szenen von Brandon Sanderson denken, ohne dass die beschriebenen Welten sich wirklich ähneln. Worldbuildingtechnisch kann ich nicht viel sagen, es werden ein paar Aspekte in den Raum geworfen, doch da es eine Kurzgeschichte ist, verstehe ich, wieso der Autor sie nicht stärker ausgearbeitet hat.


Plot & Protagonist

Das Herz dieser Novelle ist – neben Hendried, der in den Krieg hinein gezogen wird und eigentlich gar nicht dort sein will – der Plottwist. Er hat Potential, hätte meiner Meinung nach aber etwas mehr Vorlauf gebraucht. So fehlt mir sowohl die Überraschung der Wendung, als auch die Gewichtigkeit der Handlungen. Ähnlich geht es mir mit Hendried, außer, dass er sich denkt, dass er das alles doch gar nicht will, ist bei mir kaum etwas von ihm hängen geblieben.


Dialoge

Dialoge gehören oft zu meinen liebsten Teilen von Büchern, vermutlich achte ich deshalb auch mehr auf sie als auf Beschreibungen. Und hier konnte ich mich mit den Dialogen nicht anfreunden. Sie lesen sich stellenweise ziemlich gestelzt, als würden die Figuren ein Skript ablesen, statt wirklich zu reden.


Das Ende

Dadurch, dass die Geschichte eben so kurz ist, war sie auch schon zu Ende, als ich langsam rein kam. Sie liest sich wie ein Einstieg in die Welt und verspricht mehr, daher bin ich gespannt, was der Autor in Zukunft noch macht, doch als alleinstehendes Werl funktioniert sie für mich persönlich nicht. Die Kurzgeschichte hat definitiv Potential, das für mich aber leider nicht erreicht wird.


Sonntag, 13. September 2020

The Priory of the Orange Tree von Samantha Shannon

 

'There's promise in tales that are yet to be spoken.'


 

Geständnis: Ich bin kein großer Fantasy Fan. YA Fantasy habe ich inzwischen so viel gelesen, dass ich oft schon beim Lesen von Klappentexten das Interesse verliere. High Fantasy „für Erwachsene“ ist oft sehr ähnlich aufgebaut und hat mich ehrlich gesagt nie groß interessiert. Ich lese Fantasy, kann aber nicht wirklich behaupten: „Das ist MEIN Genre.“ Und dann kommt immer mal wieder ein Buch wie Priory und erinnert mich daran, wie viel Spaß Fantasy als Genre machen kann.


Worldbuilding

Mit wenigen Worten beschreibt Samantha Shannon ihre Welt voller Drachen. Ich hatte nicht das Gefühl, absatzweise Beschreibungen zu lesen, doch ich habe trotzdem ein genaues Bild der Welt vor Augen. SS hat verschiedene Religionen erschaffen, die teilweise die selbe Figur im Mittelpunkt haben und teilweise zu einer vollkommen anderen Kultur gehören und gar nichts mit den anderen gemeinsam haben. Sie hat Reiche mit verschiedenen Drachen und verschiedenen Sichten auf Drachen erschaffen und sie in Kontrast gesetzt. Alles in allem hat sie auf knapp 800 Seiten geschafft, nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern auch eine ganze Welt aufzuspannen und ihr Leben einzuhauchen.


Schreibstil

Erinnert sich hier noch irgendwer daran, dass mir der Schreibstil beim Lesen nur sehr selten auffällt? Ich bezweifle es, aber Priory ist definitiv einer dieser seltenen Fälle. Ich wünschte, ich hätte mir Stellen markiert, die ich hier zitieren könnte. Mehrfach habe ich innegehalten und gedacht, wie gut ein Satz oder ein Dialog geschrieben war.


Beziehungen & Charaktere

SS legt einen starken Fokus auf die Figuren und ihre Beziehungen unterschiedlichster Art. Im folgenden werde ich auf die vier eingehen, aus deren Sicht das Buch erzählt wird.


Ead

Ead war vermutlich eine der coolsten Figuren des Buches. Als Mitglied der Priory of the Orange Tree, eine Art Hexe, wurde sie nach Inys geschickt, um die dortige Königin, Sabran, zu beschützen. Durch Eads Sicht wird das Leben am Hof direkt interessant. Sie arbeitet hinter den Kulissen und hat es sich zur Aufgabe gesetzt, über die Geheimnisse am Hof auf dem Laufenden zu bleiben. Als Außenstehende behandelt sie unsere Königin als Menschen, anders als der Rest des Hofes, und fängt damit ihre Aufmerksamkeit ein. Es macht Spaß, mitzuverfolgen, wie ihre Beziehung sich langsam entwickelt und ich liebe die kleinen Details, die immer wieder zeigen, wie nahe sie sich stehen. Und eine Szene, in der die Beiden mit einander tanzen, ist vermutlich die Stelle des Buches, an die ich aktuell am häufigsten denke. Man spürt praktisch durch die Seiten die Spannung zwischen ihnen.


Tané

Wenn Tané sich ein Ziel setzt, dann setzt sie alles daran, es zu erreichen. Und Tané will unbedingt zur Drachenreiterin werden. Während ihrer Kapitel geht eine Menge schief, aber sie ist zu stur, um sich unterkriegen zu lassen und kämpft sich immer weiter. Durch sie lernen wir den Osten kennen, der sich stark von dem Westen unterscheidet. Letztendlich hinkt der Vergleich, doch gerade am Anfang habe ich ein paar Mal gedacht, dass Tanés Erzählstrang wie eine erwachsenere Version des Filmes Drachenzähmen leicht gemacht wirkt.


Loth

Loth ist definitiv die Figur, die im Laufe des Buches am meisten dazu gelernt hat. Seine Reise beginnt mit einem Exil, weil durch seine Freundschaft zu Sabran Gerüchte aufkamen, die mögliche Ehepartner abschrecken könnten. An Loths Sicht mochte ich, dass ihm keine Romanzen aufgezwungen werden. Es wäre nicht schwer gewesen, ihm jemanden an die Seite zu schreiben, stattdessen hat sich SS dafür entschieden, dass die enge Beziehung zu seiner Schwester und seine ebenso enge Freundschaft mit Ead und mit Sabran genug für ihn sind.


Niclays

Und letztendlich Niclays. Niclays ist die komplexeste der vier Erzähler-Figuren. Er wurde vor Jahren aus Inys verbannt und lebt seitdem auf einer kleinen Insel im Osten im Exil. Selbst nach 800 Seiten weiß ich nicht, was ich über ihn denke. Mag ich ihn? Habe ich Mitleid mit ihm? Bin ich genervt von ihm? Oder vielleicht eine Mischung aus allem? Er ist nicht unbedingt ein guter Mensch und er hat seine Gründe für seine Ansichten und Handlungen, doch viele der Dinge, die ihm passieren, verdient er nicht.


Zusätzlich zu den vielschichtigen Hauptcharakteren hat SS allerdings auch geschafft, Nebenfiguren genug Charakter zu geben. Mehrfach hat mich der Tod von Figuren getroffen, bei denen ich nicht erwartet habe, an ihnen zu hängen. Mehrfach habe ich mich für Figuren gefreut, wenn ihnen mal etwas Gutes passiert.


Diversity

SSs Welt ist divers. Von Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben, über queere Menschen bis hin zu Menschen mit Behinderung ist so ziemlich alles dabei. Es ist eine ideale Welt, in der niemand wegen irgendwas davon verurteilt wird und es ist erfrischend und hat das Buch für mich lebendiger gemacht.


Plot & Foreshadowing

Einer meiner liebsten Teile des Buches sind die Puzzle-Stückchen, die SS auf den Seiten verstreut. Kleine Details, die die vier Erzählperspektiven verbinden und Hinweise auf künftige Enthüllungen liefern. Nicht alle Wendungen kommen überraschend und genau das macht sie so gut. Es macht ebenso viel Spaß, sie selbst zusammen zu bekommen wie absolut nichts zu ahnen und das spricht nur dafür, dass die Autorin es richtig gemacht hat.


Unterschiede zu klassischer Fantasy & andere Details

Ich will hier gar nicht tief eintauchen, sondern nur nochmal ein paar der Twists erwähnen, die Priory in meinen Augen anders machen. Zum einen wäre da, wie bereits erwähnt, dass die Welt divers ist und der Cast nicht so männerlastig wie bei Fantasy sonst üblich, ohne in Richtung YA Fantasy zu gehen. Ich fand es ganz erfrischend, dass die meisten Figuren in ihren Zwanzigern sind – also weder halbe Kinder, noch komplett Erwachsene. Und die Drachen, ich fand spannend, dass es zwei verschiedene Arten von Drachen gibt, wie sie sich unterscheiden und wie die Welt um sie herum aufgebaut wurde.


Das Finale

Meine einzige winzige Kritik wäre, dass das Finale etwas zu schnell ging. Nachdem fast 800 Seiten lang alles langsam aufgebaut wird wirkte es seltsam, dass der Konflikt innerhalb von zwei Kapiteln oder so gelöst ist. Doch abgesehen davon habe ich das Buch nach der letzten Seite zufrieden zugeklappt. Das Geschichte ist zwar abgeschlossen, bietet aber Potential für eine Fortsetzung in der Zukunft. Das Zitat am Anfang fällt auf den letzten Seiten und drückt das selbst ziemlich gut aus. Priory funktioniert schon perfekt als Einzelband, diese Möglichkeit von Mehr gibt ihr aber noch ein gewisses Extra, dass es perfekt abrundet.

Samstag, 23. Februar 2019

Mädelsabend bei Leni & Tanja

Leni von Meine Welt voller Welten und Tanja von Der Duft von Büchern und Kaffee veranstalten heute einen ihrer Mädelsabende, bei denen es darum geht, einen Abend lang zusammen zu lesen. Falls ihr mehr darüber wissen wollt, schaut unbedingt mal auf ihren Blogs vorbei! Ich freue mich, endlich mal wieder mitlesen zu können =D


Ich muss noch ein paar Sachen erledigen, bevor ich richtig einsteige, aber ich wollte schon mal meinen Update-Post erstellen und sagen, dass ich da bin =) Ich lese heute Abend I Was Born For This von Alice Oseman:
'I'm gonna die. I'm literally gonna die.'
'Wouldn't recommend that,' says Juliet, as if she's been on a two week holiday to Death and gave it a two out of five on TripAdvisor.
For Angel, life is only about one thing: The Ark – a pop-rock trio of teenage boys who are currently taking the world by storm. Being part of The Ark’s fandom has given her everything – her friend Juliet, her dreams, her place in the world.

Jimmy owes everything to The Ark. He’s their frontman – and playing in a band with his mates is all he ever dreamed of doing.

But dreams don't always turn out the way you think, and when Jimmy and Angel are unexpectedly thrust together they find out just how strange and surprising facing up to reality can be.

Funny and wise, I Was Born for This is a stunning reflection on the power of believing in something - especially yourself.

(Inhaltsangabe von Goodreads)



18:00 Uhr: Magst du uns verraten, wie du auf dein Buch aufmerksam geworden bist? Auf welcher Seite beginnst du heute? Hast du ein Leseziel?

Ich habe mich neulich in den Webcomic der Autorin verliebt und daraufhin habe ich mir zwei ihrer drei Bücher besorgt, das hier und Solitaire. Ich bin noch relativ am Anfang, erst auf Seite 27, aber ich habe keine Zweifel daran, dass es genauso gut wird =D Ein Leseziel habe ich nicht


19:00 Uhr: Wenn dein Protagonist nur einen Gegenstand behalten oder sich für eine Person entscheiden könnte, welcher/welche wäre es?

Ich vermute mal stark, das wäre The Ark, eine Boyband, von der sie ein großer Fan ist. Ich finde übrigens super, wie schon auf den ersten Seiten aufkam, dass man durch Fandoms gute Freunde finden kann <3 Durch die Band hat Angel nämlich auch Juliet getroffen, eine gute Freundin, die sie jetzt zum ersten Mal tatsächlich getroffen hat.


20:00 Uhr: Stell dir vor, dein Protagonist müsste eine Rolle in deinem Leben einnehmen. In welcher Rolle würdest du ihn gerne sehen? Wäre er vielleicht ein Verwandter, ein Kollege oder aber eine heimliche Liebschaft? Wäre er vielleicht sogar gut als ein Bodyguard, dein persönlicher Bankberater oder als dein Hausangestellter geeignet? Warum könntest du ihn/sie dir gut in dieser Rolle vorstellen? Welche besonderen Charaktereigenschaften machen ihn/sie zu einem perfekten Kandidaten für die Rolle in deinem Leben?

Ich glaube, Angel und ich wären gute Freunde. Sie ist ein Außenseiter und kann stundenlang über ihre Leidenschaft reden. Einerseits erkenne ich mich selber ein wenig in ihr und andererseits kann ich mir genau vorstellen, wie wir über die Band reden ^^


21:00 Uhr: Gibt es eine Stelle/eine Situation/einen Charakter in deinem Buch, zu dem/der du bislang noch zu wenig erfahren hast und zu dem/der du gerne etwas mehr erfahren würdest? Was würdest du gerne darüber erfahren?

Ganz allgemein wüsste ich gerne mehr über den zweiten Hauptcharakter des Buches, Jimmy, und über die Band. Jimmy ist einer der Sänger, daher kommt da hoffentlich noch was (ziemlich sicher ^^) Ich wüsste gerne mehr darüber, wie die drei sich getroffen haben. Außerdem wurde vor ein paar Seiten erwähnt, dass Jimmy trans ist und darüber wüsste ich gerne mehr. Kennt ihr eigentlich Bücher mit trans Figuren? Mir fällt im Moment nämlich sonst auch keines ein


22:00 Uhr: Dein Protagonist muss das Buch wechseln. In welcher Geschichte würdest du sie/ihn gerne sehen?

Zuerst dachte ich an verschiedene Contemporary Geschichten, in die Angel passen würde, aber irgendwie sind meine Gedanken bei Twilight gelandet und kommen da nicht mehr weg. Eine Bella mit Kopftuch, die ständig über ihre Lieblingsband redet wäre definitiv eine Verbesserung und jetzt wüsste ich zu gerne, wie lange Edward das mitmachen würde xD



Schade, dass es schon wieder zu Ende ist. Ich bin nicht weit gekommen, erst bis Seite 43, aber da ich ohne Erwartungen angefangen habe, bin ich damit ganz zufrieden. Ich mag mein Buch, aber ich fand es auch wieder interessant, zu sehen, was die anderen Teilnehmer so gelesen haben =) Danke für den schönen Abend, ihr alle!

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Die Krone der Dunkelheit von Laura Kneidl

Inhalt
Magie ist in Thobria, dem Land der Menschen, verboten – doch Prinzessin Freya wirkt sie trotzdem. Und das nicht ohne Grund. Vor Jahren wurde ihr Zwillingsbruder entführt und seitdem versucht Freya verzweifelt, ihn zu finden. Endlich verrät ihr ein Suchzauber, wo er sich aufhält: in Melidrian, dem sagenumwobenen Nachbarland, das von magischen Wesen und grausamen Kreaturen, den Elva, bewohnt wird. Gemeinsam mit dem unsterblichen Wächter Larkin begibt sich Freya auf den Weg dorthin und muss ungeahnten Gefahren ins Auge blicken.
Zur selben Zeit setzt die rebellische Ceylan alles daran bei den Wächtern aufgenommen zu werden, welche die Grenze zwischen Thobria und Melidrian schützen. Ihr gesamtes Dorf wurde einst von blutrünstigen Elva ausgelöscht, und Ceylan sehnt sich nicht nur nach Rache, sondern möchte auch um jeden Preis verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht. Doch ihr Ungehorsam bringt sie bei den Wächtern immer wieder in Schwierigkeiten, bis sie schließlich bestraft wird: Sie soll als Repräsentantin an der Krönung des Fae-Prinzen teilnehmen. Dafür muss sie nach Melidrian reisen, in ein Land, in dem es vor Feinden nur so wimmelt.  
Und während sich die beiden Frauen ihrem Schicksal stellen, regt sich eine dunkle Macht in der Anderswelt, welche Thobria und Melidrian gleichermaßen bedrohen wird


Ich bin bestimmt nicht die Einzige, die nach Berühre mich. Nicht. Laura Kneidls neues Buch kaum erwarten konnte. Dass ich Die Krone der Dunkelheit lesen würde, sobald es draußen war, war selbstverständlich. Nun habe ich es vor einigen Tagen beendet und bin zwiegespalten.

Fangen wir mit den Figuren an. Insbesondere in englischen Büchern spielt diversity eine immer größere Rolle, wogegen man in Deutschland kaum oder zumindest sehr viel weniger davon mitbekommt. DKDD ist der erste deutsche Fantasyroman, in dem ich bewusst wahrgenommen habe, dass nicht alle Figuren weiß und hetero sind. Zwei der Hauptfiguren sind schwarz und es wird immer wieder darauf eingegangen, wie dies ihr Leben beeinflusst (oder eben nicht) und eine Nebenfigur ist schwul. Es ist definitiv ein Schritt in die Richtung und Laura Kneidl hat sich damit meinen Respekt verdient.

Das Buch hat relativ viele Protagonisten die sich auf mehrere Handlungsstränge verteilen. Zum einen gibt es die Prinzessin Freya. Sie will das ihr zugedachte Schicksal, zu heiraten und irgendwann das Land zu regieren, nicht nimmt und unter anderem deshalb sucht sie nach ihrem Bruder Talon, der vor Jahren von Fae entführt wurde. Doch die beiden standen sich sehr nah und das merkt man Feyras Handlungen an. Sie vermisst ihren Zwillingsbruder, doch sie ist auch ein neugieriger Mensch und sie steht für das ein, woran sie glaubt.
Eine ebenso starke weibliche Figur ist mein Liebling, die Kriegerin Ceylan, die um jeden Preis Wächterin an der Mauer sein will, die das Reich der Fae und der Menschen von einander trennt. Sie erinnerte mich öfter mal an Celeana aus der Throne of Glass-Reihe. Sie kämpft darum, ihrem Traum in einer männerdominierten Position nachgehen zu können und sie lässt sich nichts von ihnen gefallen.
Weitere Hauptfiguren der Fae Prinz Kheeran, der Assassine Weylin, der beauftragt wurde, ihn umzubringen, sowie der Wächter Leigh, der Feyra auf ihrer Reise begleitet. Anders als bei den weiblichen Figuren hatte ich bei ihnen häufiger das Gefühl, dass sie nur einen „Daseinszweck“ haben. Es wird angedeutet, dass sie mehr ausmacht, als ihre jeweilige Aufgabe, doch insbesondere bei Weylin und bei Leigh kann man das fast vergessen.

Man merkt schon an dieser Aufzählung, wie viele Protagonisten das Buch hat und aus der Perspektive von jedem von ihnen wird die Geschichte erzählt, von manchen mehr, von anderen weniger. Nach jedem Kapitel wechselt die Sicht. Das war eines meiner größten Probleme. Ich habe das Buch über einen relativ langen Zeitraum gelesen und musste mich immer wieder neu in der Welt einfinden und sobald ich gerade anfing, rein zu kommen, endete das Kapitel und ich konnte wieder von vorne anfangen. Ich kann mir vorstellen, dass Leser, die das Buch nicht so lange ziehen wie ich, dieses Problem nicht haben, doch ich habe mich zwischendurch einige Male dabei erwischt, dass meine Motivation, weiterzulesen, niedrig war.

Ich mochte das World Building. Laura benutzt eine bildhafte Sprache, durch die die Umgebung greifbar wird und man einen Teil der Welt, die sie erschafft, miterlebt. Ich hätte mir noch ein wenig mehr über die Vergangenheit gewünscht, darüber, wie die Welt, wie sie dargestellt hat, entstanden ist. Vor allem was genau passierte, als Fae und Menschen sich von einander abgrenzten. Da DKDD erst der erste Band der Trilogie ist, finde ich das verzeihbar.

Wie fand ich die Idee an sich? Naja, sie ist nichts komplett Neues. Die Prinzessin, die ihr Schicksal nicht mag, findet man in jedem zweiten YA Fantasy Buch, auch die Kriegerin, die sich beweisen will, ist in Fantasy nicht selten. Ähnliches trifft auf die Fae zu, die in Seelie und Unseelie aufgeteilt sind. Vielleicht habe ich kein Buch mit genau dieser Kombination gelesen, dennoch hatte ich das Gefühl, alles schon mal gesehen zu haben und zu wissen, in welche Richtung sich alles entwickelt. Mir fehlte dieser Funke, der der Kombination Leben einhaucht.

Zuletzt will ich kurz auf die Beziehungen zwischen verschiedenen Figuren eingehen. Es gibt keine offene, im Zentrum stehende Liebesgeschichte, es werden lediglich Andeutungen gemacht, dass da in den folgenden Bänden noch was kommen könnte/wird. Ich mochte es, dass Laura den Figuren den Raum gegeben hat, ihre Ziele zu verfolgen, bevor etwas Ernsteres zwischen ihnen entsteht. Noch bin ich nicht bei allen überzeugt, dass sie tatsächlich ein Paar werden sollten, doch ich bin gespannt, wie sie sich noch entwickeln.


Fazit


Die Krone der Dunkelheit ist vielleicht nicht offiziell YA Fantasy, doch sie liest sich definitiv so. Es gibt bessere und schlechtere, dieses Buch würde ich etwas über dem Durchschnitt einordnen. Wenn man Lust hat, auf eine solche Geschichte, kann man es bestimmt ganz gut lesen, ansonsten verpasst man nicht allzu viel, falls man es ausfallen lässt.

Mittwoch, 21. November 2018

Ich schreib mit beim NaNoWriMo 2018

Quelle: https://nanowrimo.org/


So viel zu meinem Vorhaben ^^ Der geplante Post für den Oktober war mein Messebericht, doch die FBM musste kurzfristig ausfallen für mich und danach fehlte mir die Zeit und ehrlich gesagt auch die Motivation, mir ernsthaft ein anderes Thema zu suchen.

Eigentlich lese ich aktuell an einem Rezensionsexemplar, komme aber so wenig zum Lesen, dass die Rezension wohl erst nächsten Monat kommt. Daher bietet es sich an, dass ich heute ein wenig über den NaNoWriMo rede.





Was ist der National Novel Writing Month, kurz NaNoWriMo, überhaupt? Vermutlich kennen manche von euch ihn, aber für diejenigen, denen das nichts sagt, ist hier der Crashkurs: es geht darum, in einem Monat 50.000 Wörter zu schreiben, was in etwa die Länge eines Romans ist. Die Seite ist mit jeder Menge Statistiken, Foren, Pep talks und was nicht sonst noch alles, darauf ausgerichtet, jemanden zu motivieren, dran zu bleiben und die Sache durchzuziehen. Falls ihr euch mal umsehen wollt, *hier* findet ihr den Link.

Ich habe mich relativ spontan entschieden, dieses Jahr nicht nur mitzuschreiben, sondern den NaNo dieses Mal auch ernst zu nehmen. (Die letzten zwei Jahre habe ich es nebenher probiert und geschrieben, "wenn mir danach war" und dementsprechend gut lief es ^^) Bei Twitter hat der deutsche Account im Oktober angefangen, jeden Tag Vorbereitungsfragen zu posten und nachdem ich diese Tweets und diverse Antworten erst oft genug gelesen habe, dachte ich mir: "Wieso nicht?" und habe für mich angefangen, die Fragen für mein aktuelles Projekt zu beantworten. Eine der Fragen hat mir eine mögliche Lösung für eine Situation aufgezeigt, über der ich schon seit MONATEN gegrübelt habe, und da war sie, die Motivation xD

Ich bereue nicht, die Entscheidung getroffen zu haben. Der NaNo gibt mir so viel, was ich teilweise gar nicht erwartet habe. In einer Liste zusammen gefasst:

-Spaß. Es macht unglaublich viel Spaß, sich jeden Tag hinzusetzen und zu sehen, wohin sich die Geschichte entwickelt. Und ich kann dafür Sorgen, dass meine Figuren tatsächlich einen anständigen Grund haben, wieso sie nicht mit einander reden und keine von den üblichen Ausreden vorschieben =P

-unerwartete Ideen bzw. kleine Aspekte und Verbindungen. In meiner Geschichte sind jetzt bereits eine Menge Elemente eingeflossen, an die ich vorher gar nicht gedacht habe. Ich habe mit sowas wie einem Grundgerüst angefangen und einigen Szenen, die drin sein sollen, alles andere, was dazu kam, ist während des NaNoWriMos entstanden.

-Gemeinschaftsgefühl. Man ist eben nicht alleine. Ich habe mich nicht viel im Forum oder in sozialen Medien ausgetauscht, aber man sieht, dass andere Autoren in der selben Situation sind wie man selbst und das verbindet. Oder auch direkter: ich habe bei einer Care-Paket Wichtelrunde teilgenommen, wo man nochmal direkter motiviert und motiviert wird <3

-die Wortzahl. Ja, okay, das kommt nicht unerwartet, aber es ist trotzdem toll, zu sehen, wie viel man schon geschrieben hat. Vermutlich komme ich nicht auf die 50k, aber ich kriege ein Gefühl dafür, wie lange es dauert, etwas zu schreiben und wie lang eine Szene sein sollte. Und das ist mir mehr wert, als das Ziel zu erreichen.

-mehr darüber gelernt, was für mich funktioniert und was nicht. Ich habe schon verschiedene Sachen probiert - von Anfang an darüber reden, was ich schreibe, zum Beispiel, oder die Sachen direkt zum Lesen weiter geben. Während des NaNos schreibe ich erstmal nur für mich. Es fühlt sich richtig an. Ich kann darüber reden, dass meine Figuren sowas wie Superkräfte haben und divers sind, aber viel weiter ins Detail gehen fühlt sich privat an, weil, naja, es kommt eben alles frisch aus meinem Kopf ^^'

-zusätzlich zu den letzten beiden Punkten weiß ich jetzt aber auch, wie das Hinsetzen und Schreiben für mich funktioniert und ich hoffe, ich kann das auch nach dem NaNo noch weiter beibehalten =)


Es nimmt Zeit ein und ich merke es immer wieder (vor allem wenn es Zeit ist, in der ich sonst schlafen würde ^^'), aber es ist nur ein Monat. Ich mache mir nicht zu viel Druck, den word count am Ende des Monats zu erreichen - ich meine, jedes Wort, das ich jetzt schreibe, ist ein Wort mehr als ich am Anfang des Monats hatte - und schaue einfach, was passiert.



Wie sieht es bei euch aus? Schreibt ihr? Macht ihr vielleicht auch gerade beim NaNoWriMo mit? Oder hättet ihr Lust, es irgendwann auszuprobieren?

Montag, 20. August 2018

Lesetipp für den Sommer


Der Jahreszeiten-Lesetipp ist eine Aktion von Leni von Meine Welt voller Welten und Tanja von Der Duft von Büchern und Kaffee. Schaut bei den beiden vorbei für weitere Lesetipps!

Als ich den Ankündigungspost gesehen habe, dachte ich mir: Wieso nicht? Ich habe sowieso vor, wieder mehr zu bloggen (dazu bald mehr) und ich habe aktuell tatsächlich DAS Sommerbuch, das ich am liebsten jedem in die Hand drücken würde (und da ich wahrscheinlich keine Rezension mehr dazu schreiben werde...).

My First Love von Tanja Voosen

Eigentlich wollte Cassidy einem Mädchen an ihrer Schule nur dabei helfen, ihren blöden Freund loszuwerden. Doch plötzlich hat die 17-Jährige sich damit den Ruf erworben, Beziehungen innerhalb eines Tages zerstören zu können. Die dankbaren Mitschüler bezahlen sie sogar für ihren „Schlussmach-Service“. Als Cassidy aber den ebenso gutaussehenden wie nervigen Colton von seiner Freundin „befreit“, fordert er sie zu einer unglaublichen Wette heraus: Statt Paare zu trennen, soll sie zwei ganz bestimmte Mitschüler verkuppeln. Nicht ahnend, welch finstere Hintergedanken Colton hegt, nimmt Cassidy die Herausforderung an. Und stolpert mitten hinein in ein Wirrwarr aus heimlichen Küssen, verschlungenen Intrigen und der ersten großen Liebe ...


Für mich ist YA Contemporary, insbesondere die, die auch im Sommer spielt, das Genre to go, wenn es heiß ist und ich mich nur noch von Eis ernähren kann und wenige Autoren meistern es so gut wie Tanja Voosen. Eine nicht sortierte Liste der Gründe, wieso ihr ihr neuestes Buch lesen solltet:
- Haters to Lovers
- Cassidy
- der Humor
- realistische und tolle Darstellung von Freundschaft
- originelle Story (Schlussmachservice!)
- die Stelle, an der der Bezug zum Cover auftaucht
- es macht Spaß und teilweise konnte ich nicht aufhören zu grinsen (Die Leute in der Bahn haben mich bestimmt für verrückt gehalten)
- es ist ihr bisher bestes Buch! Wenn ihr noch nichts von ihr gelesen habt, wieso nicht direkt mit dem hier anfangen?
- gespoilert, deshalb mal so: es wird nicht aus jeder Figur ein Paar -> Abwechslung und realistischer


Kennt ihr das Buch schon? Oder habt ihr es vielleicht auf eurer Liste? =)

Sonntag, 20. Mai 2018

So brauch ich Gewalt von Stefanie Mühlsteph

Vielen Dank an den Papierverzierer Verlag für das Rezensionsexemplar!

Inhalt

Es ist das Jahr 1837. Eine Geheimorganisation mit dem Namen Sealgair agiert in und um London, um die Machtverhältnisse der Reichen, der Krone und des Staates im Gleichgewicht zu halten.
Nicht nur um ihre Eltern zu rächen, bleibt Megan Teil der Organisation, der man nachsagt, dass sie die gesamte Londoner Unterwelt kontrollieren würde. Sie ist noch keine einundzwanzig Jahre alt und bringt trotzdem jahrelange Berufserfahrung als Auftragsmörderin mit. Unter dem Decknamen "Black Widow" führt sie ihre blutigen Aufträge im Alleingang durch.
Doch auf einmal wird "Black Widow" zum Schutz einer einflussreichen Person abgestellt, die eine andere Sealgaira mit dem Namen "Hawk" eliminieren soll. So beginnt ein Spiel aus Intrigen, Verfolgungsjagden und zu ergründenden Geheimnissen, bei dem sie doch von ihrem sonst so subtilen Vorgehen abweichen muss. Denn manchmal braucht es eben doch Gewalt …


Na, wer musste beim Lesen des Klappentexts auch an Marvel denken? Megan – Black Widow – hat tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten mit Natascha. Abgesehen von den offensichtlichen roten Haaren, haben beide Frauen die spezielle Art, ihren Körper einzusetzen, um ihre Opfer näher heranzulocken. Das war es auch schon an Ähnlichkeiten, sonst haben die beiden nichts mehr mit einander zu tun.
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, Megans und Abigails, und sie könnten gar nicht unterschiedlicher sein. Beide Figuren sind vielschichtig aufgebaut. Megan ist ruhig und wie gesagt, ihre Art zu töten hat Stil. Abigail dagegen ist temperamentvoll, sie regt sich schnell auf, doch mit dem Colt macht ihr keiner etwas vor. Gerade in dieser Kombination spiegelt die Tötungsweise den jeweiligen Charakter gut wieder, finde ich. Ich mochte sie beide auf ihre Weise und besonders die Dynamik zwischen ihnen. Es hat Spaßgemacht, zu beobachten, wie sie sich gegenseitig gesehen haben zwischen dem ersten Aufeinandertreffen und der letzten Szene. Dennoch, Megan war mein Liebling. Im direkten Vergleich wirkt Abigail so gewöhnlich neben ihr, die typische Auftragsmörderin, wie ich mir eine im ersten Moment vorstellen würde.
Im Gegensatz zu Megan und Abigail wirken die meisten Nebencharaktere dagegen recht eindimensional. Sie werden fast alle auf eine einzige Eigenschaft oder Funktion beschränkt, was ich schade fand. Einige hatten interessante Ansätze und konnten sich gefühlt nur nicht entfalten.
Bis zur Hälfte etwa besteht das Buch aus mehreren Aufträgen von Megan und Abigail, bei denen sie teilweise aufeinander treffen und die scheinbar nicht mit einander zusammenhängen. Es dauert lange, bis ein roter Faden erkennbar wird. Gerade als es anfing, mich zu stören, dass es kein Ziel gibt, auf das die Geschichte hinarbeitet, kamen die Verbindungen zwischen den Ereignissen und das größere Bild langsam zum Vorschein. Ich kann damit leben, hätte es trotzdem gerne schon früher gesehen. So wirkt die erste Hälfte wie eine sehr lange Einleitung und dementsprechend hat der Rest der Geschichte weniger Raum.
Ich sage das immer wieder: wenn ich irgendwas zum Schreibstil schreibe, dann nur, wenn er besonders gut oder besonders schlecht war. Im Fall von So brauch ich Gewalt ist es der erste Fall. Die Autorin hat eine geniale Balance gefunden. Einerseits passt er zum historischen Setting und wirkt leicht altmodisch, andererseits aber benutzt sie moderne Begriffe, die zu den modernen Ansichten von Hawk und Black Widow passen. Dadurch lässt sich das Buch einfach lesen. Zusätzlich habe ich mir während des Lesens bestimmt mindestens ein Dutzend Stellen markiert, Stephanie Mühlsteph bringt Sachen teilweise kurz und schön beschrieben auf den Punkt, da geht es gar nicht anders.
Abschließend will ich noch sagen, dass mir am Ende noch zu vieles offen geblieben ist und ich auf eine Fortsetzung hoffe, in denen die Hintergründe der Sealgair erklärt werden. Wieso haben alle zum Beispiel Tiere als Codenamen? Wer sucht sie aus? Das wollte ich von Anfang an Wissen. Oder auch, wie das mit den Sealgair überhaupt anfing. Da sehe ich definitiv noch Potential.


Fazit

Auftragskillerinnen im historischen London und ein toller Schreibstil – was gibt es daran nicht zu lieben? Trotz meiner kleinen Kritikpunkte kann ich das Buch nur empfehlen, ich hatte eine Menge Spaß mit Abigail und Megan.