Sonntag, 15. Februar 2015

Nosferatu - Vom Vollmond geweckt von Barbara J. Zister

Inhalt

Finnys Leben hat sich um hundertachtzig Grad gedreht. Gerade noch It-Girl an ihrer Schule, lebt sie nun abgeschottet von den Menschen, die ihr einst so viel bedeuteten. Mit dem Beginn der Nacht muss sie sich in ihrer dunklen Kellerwohnung verstecken, denn was der Mond in ihr weckt, sollte keinem begegnen. Doch als sie auf den süßen Skaterboy Mad trifft, beginnt sie zu hoffen – auf ein Leben, eine Zukunft und die Liebe. Bis sie den Nosferatu begegnet…

Ich finde, dieser Klappentext kann nicht mal annähernd vermitteln, wie gut dieses Buch ist. Wenn man ihn so liest, klingt Finny wie die übliche verwöhnte Zicke, die sich nun wegen eines Schicksalschlages ändert und die Geschichte wie eine typische Liebesgeschichte. Aber nein, so ist das gar nicht!
Finny und eine Zicke? Nein! Eher das genaue Gegenteil davon. Tatsächlich ist sie am Anfang des Buches schon ein Jahr lang eine Nosferatu und von ihrem früheren It-Girl-Dasein bekommt man gar nichts mit. Sie will ihr Schicksal nicht einfach so annehmen und versucht trotz ihres nun dunklen Wesens das richtige zu tun und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Damit ist sie schnell zu meinem absoluten Lieblinscharakter in dem Buch aufgestiegen.
Die Liebesgeschichte ist weder einfach, noch gewöhnlich. Das hätte nicht gepasst, denn die Handlung ist um einiges komplexer gestrickt, als ich es erwartet habe. Und auch Mad konnte ich die meiste Zeit gar nicht einschätzen. Um nicht zu viel zu verraten: Es ist kompliziert und das macht die Geschichte, und besonders die Liebesgeschichte, sehr spannend.
Dazu kommt die eigentliche Handlung, die man zu keinem Zeitpunkt vorhersehen könnte. Die Autorin manövriert Finny immer wieder in eine Sackgasse, eine ausweglose Situation, und dann schafft sie es doch jedes mal, sie da wieder raus zu holen, ohne dass die Lösung gezwungen wirkt. Außerdem hat sie das alles einfach unfassbar gut verbunden. Die packenden Kampfszenen, die witzigen Momente, die gefühlvollen Stellen, es passt und verbindet sich zu einem fesselnden Buch. Und natürlich die Nosferatu. Ich muss sagen, vorher habe ich noch nie von den Wesen gehört, deshalb waren sie für mich etwas ganz Neues. Und das hat die Autorin gut nutzen können. Nach und nach erfährt man erst, was es mit ihnen auf sich hat und weil man mehr über sie wissen will, bleibt die Spannung die ganze Zeit erhalten.
In dem Buch spielen Ratten eine nicht unwichtige Rolle und besonders eine sticht hervor. Fans von Xemerius werden bei ihr auf ihre Kosten kommen, denn das Tier hat immer einen frechen und witzigen Spruch auf Lager. Ratten mag ich durch sie zwar nicht lieber, aber diese eine Ratte ist toll.
Inzwischen schreibe ich in meinen Rezensionen eigentlich kaum noch etwas über den Schreibstil. Meistens habe ich dazu nichts zu sagen, es ist eben ein Stil, der zu der jeweiligen Geschichte gehört. Aber bei Barbara J. Zister mache ich eine Ausnahme. Ich mochte ihren Schreibstil sehr. Sie hat eine sehr bildliche Sprache, die solche Sätze wie diesen hier hervorgebracht hat: „Genauso wie in den vier Herzkammern wurden auf vier Ebenen Menschen wie rote Blutkörperchen durch die Adern der Stadt gepumpt.“ Das ist auch eine Art, eine U-Bahnhaltestelle zu beschreiben und durch diese Beschreibungen kann man Finny an vielen Stellen einerseits besser verstehen, andererseits spürt man ihre Gefühle. Sie liebt die U-Bahn und jetzt soll mal einer sagen, dass diese Liebe in diesem Satz nicht durchsickert.

Über die Autorin:

Barbara J. Zister lebt mit ihrem Mann und den beiden Söhnen im mystischen Bayerischen Wald, wo es noch Hexen, Dämonen und gruslige Raunächte gibt. Das perfekte kreative Umfeld für die Vielleserin, die sich seit 2010 ihren eigenen literarischen Projekten widmet – meistens sonntags oder wenn ihr das Leben Zeit dazu lässt. Als Meisterin der Elektrotechnik ist Spannung ihr Handwerk, was ihr auch beim Schreiben von Büchern zugutekommt. 

Fazit

Insgesamt hat „Nosferatu“ meine Erwartungen, die wegen des Klappentextes nicht sehr hoch waren, weit übertroffen. Das Gesamtpaket stimmt einfach. Die Protagonistin, die Geschichte, der Schreibstil, sie bilden ein fesselndes Buch, das man immer weiter lesen will. Also, lasst euch nicht von dem Klappentext anschrecken und gebt den Nosferatu und Finny eine Chance.

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