Sonntag, 20. Mai 2018

So brauch ich Gewalt von Stefanie Mühlsteph

Inhalt

Es ist das Jahr 1837. Eine Geheimorganisation mit dem Namen Sealgair agiert in und um London, um die Machtverhältnisse der Reichen, der Krone und des Staates im Gleichgewicht zu halten.
Nicht nur um ihre Eltern zu rächen, bleibt Megan Teil der Organisation, der man nachsagt, dass sie die gesamte Londoner Unterwelt kontrollieren würde. Sie ist noch keine einundzwanzig Jahre alt und bringt trotzdem jahrelange Berufserfahrung als Auftragsmörderin mit. Unter dem Decknamen "Black Widow" führt sie ihre blutigen Aufträge im Alleingang durch.
Doch auf einmal wird "Black Widow" zum Schutz einer einflussreichen Person abgestellt, die eine andere Sealgaira mit dem Namen "Hawk" eliminieren soll. So beginnt ein Spiel aus Intrigen, Verfolgungsjagden und zu ergründenden Geheimnissen, bei dem sie doch von ihrem sonst so subtilen Vorgehen abweichen muss. Denn manchmal braucht es eben doch Gewalt …


Na, wer musste beim Lesen des Klappentexts auch an Marvel denken? Megan – Black Widow – hat tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten mit Natascha. Abgesehen von den offensichtlichen roten Haaren, haben beide Frauen die spezielle Art, ihren Körper einzusetzen, um ihre Opfer näher heranzulocken. Das war es auch schon an Ähnlichkeiten, sonst haben die beiden nichts mehr mit einander zu tun.
Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, Megans und Abigails, und sie könnten gar nicht unterschiedlicher sein. Beide Figuren sind vielschichtig aufgebaut. Megan ist ruhig und wie gesagt, ihre Art zu töten hat Stil. Abigail dagegen ist temperamentvoll, sie regt sich schnell auf, doch mit dem Colt macht ihr keiner etwas vor. Gerade in dieser Kombination spiegelt die Tötungsweise den jeweiligen Charakter gut wieder, finde ich. Ich mochte sie beide auf ihre Weise und besonders die Dynamik zwischen ihnen. Es hat Spaßgemacht, zu beobachten, wie sie sich gegenseitig gesehen haben zwischen dem ersten Aufeinandertreffen und der letzten Szene. Dennoch, Megan war mein Liebling. Im direkten Vergleich wirkt Abigail so gewöhnlich neben ihr, die typische Auftragsmörderin, wie ich mir eine im ersten Moment vorstellen würde.
Im Gegensatz zu Megan und Abigail wirken die meisten Nebencharaktere dagegen recht eindimensional. Sie werden fast alle auf eine einzige Eigenschaft oder Funktion beschränkt, was ich schade fand. Einige hatten interessante Ansätze und konnten sich gefühlt nur nicht entfalten.
Bis zur Hälfte etwa besteht das Buch aus mehreren Aufträgen von Megan und Abigail, bei denen sie teilweise aufeinander treffen und die scheinbar nicht mit einander zusammenhängen. Es dauert lange, bis ein roter Faden erkennbar wird. Gerade als es anfing, mich zu stören, dass es kein Ziel gibt, auf das die Geschichte hinarbeitet, kamen die Verbindungen zwischen den Ereignissen und das größere Bild langsam zum Vorschein. Ich kann damit leben, hätte es trotzdem gerne schon früher gesehen. So wirkt die erste Hälfte wie eine sehr lange Einleitung und dementsprechend hat der Rest der Geschichte weniger Raum.
Ich sage das immer wieder: wenn ich irgendwas zum Schreibstil schreibe, dann nur, wenn er besonders gut oder besonders schlecht war. Im Fall von So brauch ich Gewalt ist es der erste Fall. Die Autorin hat eine geniale Balance gefunden. Einerseits passt er zum historischen Setting und wirkt leicht altmodisch, andererseits aber benutzt sie moderne Begriffe, die zu den modernen Ansichten von Hawk und Black Widow passen. Dadurch lässt sich das Buch einfach lesen. Zusätzlich habe ich mir während des Lesens bestimmt mindestens ein Dutzend Stellen markiert, Stephanie Mühlsteph bringt Sachen teilweise kurz und schön beschrieben auf den Punkt, da geht es gar nicht anders.
Abschließend will ich noch sagen, dass mir am Ende noch zu vieles offen geblieben ist und ich auf eine Fortsetzung hoffe, in denen die Hintergründe der Sealgair erklärt werden. Wieso haben alle zum Beispiel Tiere als Codenamen? Wer sucht sie aus? Das wollte ich von Anfang an Wissen. Oder auch, wie das mit den Sealgair überhaupt anfing. Da sehe ich definitiv noch Potential.


Fazit

Auftragskillerinnen im historischen London und ein toller Schreibstil – was gibt es daran nicht zu lieben? Trotz meiner kleinen Kritikpunkte kann ich das Buch nur empfehlen, ich hatte eine Menge Spaß mit Abigail und Megan.

1 Kommentar:

  1. Hallöchen Julia,

    das Buch kannte ich noch nicht. Aber es spielt in London und deswegen muss ich es haben :D

    Liebe Grüße,
    Lisa

    Meinen blog findest du hier. Über einen Besuch freue ich mich immer.

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